Mit dem Abschluss der Frühjahrsentwicklung hat auf der Belegstelle Glashütte die erste Selektionsphase der potenziellen Drohnenvölker für die Saison 2027 begonnen. Ziel dieses mehrstufigen Auswahlverfahrens ist es, ausschließlich Bienenvölker als Drohnenlieferanten einzusetzen, deren Zuchtmütter und Nachzuchten die angestrebten Merkmale einer ausgeprägten Varroaresistenz unter Praxisbedingungen zuverlässig und reproduzierbar nachweisen.

Ein wesentlicher Bestandteil der aktuellen Arbeiten ist die erneute Bewertung der Hygieneleistung der vorgesehenen Zuchtmütter. Obwohl diese bereits im bisherigen Selektionsprozess hervorragende Ergebnisse erzielt haben, werden die Untersuchungen bewusst im zweiten Wirtschaftsjahr wiederholt. Damit soll überprüft werden, ob die Ausprägung der gewünschten Merkmale langfristig stabil bleibt und nicht lediglich eine zeitlich begrenzte Erscheinung darstellt.

Im Mittelpunkt steht dabei der standardisierte Nadeltest, bei dem verdeckelte Brutzellen gezielt geschädigt und anschließend die Ausräumleistung des Bienenvolkes erfasst wird. Die bislang ausgewerteten Zuchtmütter zeigten erneut eine vollständige Ausräumung der beschädigten Brutzellen innerhalb von sechs Stunden. Dieses Ergebnis bestätigt die außergewöhnlich hohe hygienische Leistungsfähigkeit der Völker und stellt eine wichtige Voraussetzung für ihre weitere züchterische Nutzung dar.

Parallel zur Bewertung des Hygieneverhaltens erfolgt eine weitere Untersuchung der SMR-Eigenschaften (Suppressed Mite Reproduction) der vorgesehenen Zuchtmütter. Während das Hygieneverhalten die Fähigkeit eines Volkes beschreibt, geschädigte oder von Krankheitserregern beziehungsweise Parasiten betroffene Brut zu erkennen und zu entfernen, erfasst die SMR-Bewertung unmittelbar den Fortpflanzungserfolg der Varroamilbe innerhalb der verdeckelten Brut. Bei der hier am heutigen Tag vorgenommenen Auszählung wurden insgesamt 310 Zellen geöffnet und dabei 2 Milben gefunden. Dies entspricht einem Brutbefall von 0,6%. Eine der gefundenen Milbe war ohne Reproduktion und die andere Milbe war in der Zelle bereits verstorben. Der SMR Wert beträgt in dieser Auszählung 100%, bei einem Recapping der befallenen Zellen von 50%.

Für jede Untersuchung werden zwischen 300 und 500 verdeckelte Brutzellen geöffnet und einzeln ausgewertet. Dabei werden sowohl die Anzahl adulter Milben als auch deren Reproduktionsstatus dokumentiert. Von besonderem Interesse ist dabei, in welchem Umfang sich die Milben erfolgreich vermehren konnten oder ob ihre Fortpflanzung durch Eigenschaften des Bienenvolkes eingeschränkt wurde.

Hygieneverhalten und SMR erfassen unterschiedliche Mechanismen der Varroaresistenz. Während hygienische Völker durch die frühzeitige Entfernung auffälliger Brut zur Reduktion des Parasitenbefalls beitragen können, reduziert eine ausgeprägte SMR-Eigenschaft unmittelbar die Vermehrungsrate der Varroamilbe innerhalb der Brutzellen. Die Kombination beider Merkmale gilt daher als besonders vielversprechender Ansatz für eine nachhaltige Verringerung des Varroadrucks.

Die aktuellen Untersuchungen dienen gleichzeitig der Revalidierung bereits erhobener Ergebnisse aus dem Jahr 2025. Ziel ist es sicherzustellen, dass die gewünschten Eigenschaften der Varroaresistenz nicht nur zu einzelnen Untersuchungszeitpunkten nachweisbar sind, sondern sich über verschiedene Entwicklungsphasen einer Bienensaison hinweg stabil zeigen. Gerade diese langfristige und wiederholte Überprüfung stellt eine zentrale Voraussetzung für eine belastbare züchterische Bewertung dar.

Validierung der Nachzuchten

Neben den ursprünglichen Zuchtmüttern richtet sich der Fokus inzwischen zunehmend auf deren Nachzuchten. Im Zuchtjahr 2026 wurden mehrere hundert Königinnen aus zwei potenziellen Drohnenlinien nachgezogen. Diese bilden die Grundlage für die zukünftige Auswahl der Drohnenvölker für die Belegstellensaison 2027/2028.

Auch bei diesen Nachzuchten erfolgt derzeit eine systematische Überprüfung der Hygieneleistung mittels standardisiertem Nadeltest. Ziel ist es, nicht ausschließlich die Leistungsfähigkeit einzelner Zuchtmütter zu bewerten, sondern insbesondere die Vererbbarkeit der gewünschten Merkmale innerhalb der jeweiligen Zuchtlinien zu untersuchen. Erst wenn die Nachkommen die hohen Anforderungen an das Hygieneverhalten ebenfalls erfüllen, kann von einer stabilen genetischen Grundlage ausgegangen werden.

Die aktuelle Selektionsphase verdeutlicht den hohen wissenschaftlichen und praktischen Aufwand, welcher der Auswahl zukünftiger Drohnenlinien vorausgeht. Hygieneverhalten und SMR-Eigenschaften werden dabei nicht isoliert betrachtet, sondern durch wiederholte Untersuchungen über mehrere Jahre sowie durch die Einbeziehung verschiedener Generationen abgesichert.

Auf Grundlage dieser umfangreichen Datenerhebung werden in den kommenden Monaten diejenigen Völker ausgewählt, die im Jahr 2027 als Drohnenvölker auf der Belegstelle Glashütte eingesetzt werden. Ziel ist es, für die Belegstellensaison ausschließlich genetisches Material bereitzustellen, das sowohl eine ausgeprägte Leistungsfähigkeit als auch eine nachweisbare Einschränkung der Varroa-Reproduktion vereint. Auf diese Weise soll die nachhaltige Verbreitung varroaresistenter Genetik unterstützt und langfristig ein züchterischer Beitrag zur Reduktion der Varroabelastung in der Honigbienenpopulation geleistet werden.